Leichte Sprache: Regeln, Nutzen und Umsetzung

Leichte Sprache macht Inhalte für Millionen Menschen überhaupt erst zugänglich. Hier erfährst du, für wen sie gedacht ist, welche Regeln gelten, was das Recht verlangt und wie du sie auf deiner Website anbietest.

Aktualisiert am 17. Juli 2026 · Wave Tools Redaktion · 7 Min. Lesezeit

Was ist Leichte Sprache – und für wen ist sie gedacht?

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen mit festen Regeln für Wortwahl, Satzbau und Gestaltung. Sie wurde gemeinsam mit den Menschen entwickelt, die sie brauchen, und wird von etablierten Regelwerken wie dem des Netzwerks Leichte Sprache beschrieben. Ziel ist nicht schöner Stil, sondern maximale Verständlichkeit.

Leichte Sprache hilft vor allem diesen Gruppen:

  • Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Beeinträchtigungen
  • Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen oder erst seit Kurzem in Deutschland leben
  • Erwachsenen mit geringer Lesekompetenz – Studien gehen allein in Deutschland von mehreren Millionen Betroffenen aus
  • Menschen mit Demenz, Aphasie oder anderen Einschränkungen, die das Lesen erschweren

Davon abgesehen profitieren fast alle Leserinnen und Leser von klaren, kurzen Texten: Wer in Eile ist, auf dem Handy liest oder ein komplexes Thema zum ersten Mal sieht, versteht einfache Sätze schneller. Verständlichkeit ist keine Sonderlösung, sondern gutes Kommunikationsdesign.

Leichte Sprache oder Einfache Sprache?

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber Unterschiedliches:

Leichte SpracheEinfache Sprache
RegelnFestes Regelwerk, sehr strengEmpfehlungen, flexibler
SprachniveauEtwa A1–A2Etwa A2–B1
ZielgruppeVor allem Menschen mit LernschwierigkeitenBreites Publikum, z. B. Behörden- oder Fachkommunikation
GestaltungGroße Schrift, viele Absätze, oft BilderNormales Layout möglich

Kurz gesagt: Einfache Sprache ist vereinfachtes Standarddeutsch. Leichte Sprache geht deutlich weiter und folgt einem eigenen Regelwerk. Für eine barrierefreie Website kann beides sinnvoll sein – wichtig ist, dass du die gewählte Form klar benennst.

Die wichtigsten Regeln der Leichten Sprache

Die Regelwerke umfassen viele Einzelregeln. Die wichtigsten Grundsätze sind:

  • Schreibe kurze Sätze – ein Gedanke pro Satz.
  • Nutze aktive Sprache: „Das Amt prüft den Antrag“ statt „Der Antrag wird geprüft“.
  • Vermeide schwere Wörter. Wenn ein Fachwort nötig ist: Erkläre es.
  • Trenne lange Wörter mit Bindestrich, zum Beispiel „Wohn-Geld“.
  • Verzichte auf Metaphern, Ironie und Redewendungen – sie werden wörtlich verstanden.
  • Vermeide Genitiv, Konjunktiv und Verneinungen, wo es geht.
  • Nutze Aufzählungen statt langer Aneinanderreihungen im Satz.
  • Sprich die Lesenden direkt an.

Auch die Gestaltung gehört dazu: große Schrift, linksbündiger Flattersatz, jeder Satz in einer neuen Zeile oder einem eigenen Absatz, viel Weißraum und unterstützende Bilder. Dass Bilder dann gute Alternativtexte brauchen, erklären wir im Artikel Alt-Texte richtig schreiben.

Vorher und nachher: ein Beispiel

Vorher (Standardsprache)Nachher (Leichte Sprache)
Die Beantragung der Leistung erfolgt unter Vorlage der erforderlichen Unterlagen bei der zuständigen Behörde, wobei mit einer Bearbeitungszeit von mehreren Wochen gerechnet werden muss. Sie wollen Geld beantragen?
So geht es:
Gehen Sie zum Amt.
Nehmen Sie Ihre Unterlagen mit.
Das Amt prüft Ihren Antrag.
Das dauert einige Wochen.

Das Beispiel zeigt das Prinzip: Der Inhalt bleibt gleich, aber jeder Satz trägt nur noch einen Gedanken, die Sprache ist aktiv, und die Struktur führt Schritt für Schritt durch den Ablauf.

Was rechtlich gilt

Für öffentliche Stellen in Deutschland ist Leichte Sprache verbindlich geregelt. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) verpflichtet Bundesbehörden, Informationen verstärkt in Leichter Sprache bereitzustellen. Die BITV 2.0 verlangt zusätzlich, dass Websites öffentlicher Stellen Erläuterungen in Leichter Sprache anbieten – unter anderem zu den wesentlichen Inhalten, zur Navigation und zur Erklärung zur Barrierefreiheit. Die Bundesländer haben vergleichbare Regelungen.

Und im Privatsektor? Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) schreibt Leichte Sprache nicht ausdrücklich vor – es verlangt aber verständliche und wahrnehmbare Informationen. Eine Leichte-Sprache-Version zahlt direkt darauf ein, erweitert deine Zielgruppe und verbessert nebenbei die Verständlichkeit für alle. Welche Pflichten das BFSG genau bringt, liest du im Artikel BFSG und EAA.

Leichte Sprache auf der Website anbieten

In der Praxis haben sich drei Bausteine bewährt:

  • Eine eigene Seite in Leichter Sprache, die die wichtigsten Inhalte deiner Website erklärt: Wer seid ihr? Was bietet ihr an? Wie funktioniert die Seite? Wie erreicht man euch?
  • Ein gut sichtbarer Zugang, zum Beispiel ein Link oder Umschalter im Kopfbereich jeder Seite. Viele Websites nutzen dafür das bekannte Leichte-Sprache-Symbol oder die klare Beschriftung „Leichte Sprache“.
  • Eine eindeutige Kennzeichnung: Die Lesenden sollen sofort erkennen, dass sie sich auf der Leichte-Sprache-Version befinden und wie sie zurückwechseln können.

Technisch gilt: Die Leichte-Sprache-Seite braucht eine eigene, stabile URL, muss über die Tastatur erreichbar sein und sollte von jeder Seite aus mit wenigen Klicks gefunden werden. Ein Umschalter, der die aktuelle Seite direkt in Leichter Sprache anzeigt, ist die komfortabelste Lösung – so bleiben alle Inhalte zugänglich, nicht nur eine Übersichtsseite.

Qualitätssicherung: Prüfgruppen einbeziehen

Ob ein Text wirklich leicht verständlich ist, entscheidet nicht die Autorin oder der Autor – sondern die Zielgruppe. Deshalb gehört zur Qualitätssicherung die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Solche Prüfgruppen lesen die Texte, markieren schwere Stellen und geben Rückmeldung, bis der Text verständlich ist. Viele Büros für Leichte Sprache bieten diese Prüfung als Dienstleistung an; geprüfte Texte dürfen oft ein entsprechendes Siegel tragen.

Wenn eine formale Prüfung nicht möglich ist, helfen schon einfache Tests: Lass Menschen außerhalb deines Teams den Text lesen und in eigenen Worten wiedergeben. Jede Stelle, die erklärt werden muss, ist ein Kandidat für die nächste Überarbeitung.

Wie KI bei Leichter Sprache helfen kann

Texte in Leichte Sprache zu übertragen ist aufwendig – vor allem, wenn eine Website viele Seiten hat und sich Inhalte regelmäßig ändern. Genau hier können KI-Modelle unterstützen: Sie übersetzen bestehende Inhalte automatisch in leicht verständliche Sprache und halten die Version aktuell, ohne dass du jede Seite doppelt pflegen musst.

Unsere Empfehlung Nutze KI als Werkzeug, nicht als Ersatz für Verantwortung: Automatisch erzeugte Leichte-Sprache-Texte sind ein starker Ausgangspunkt. Für zentrale Seiten – etwa Startseite, Angebote und Kontaktwege – bleibt eine redaktionelle Prüfung empfohlen, idealerweise mit Rückmeldung aus der Zielgruppe.

So kombinierst du das Beste aus beiden Welten: die Reichweite und Aktualität automatischer Übersetzung mit der Qualitätssicherung durch Menschen. Deine Website wird damit für deutlich mehr Menschen nutzbar – und verständlicher für alle.

Wave Access übersetzt die Seiten deiner Website per KI in Leichte Sprache – auf Knopfdruck für deine Besucherinnen und Besucher, ohne doppelte Inhaltspflege.

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